Nachhaltigkeit im Unternehmen: Eine Investitionsentscheidung | mit Lars Schellhas van Kisfeld
Shownotes
📌 Unsere Learnings aus der Folge:
- Wirtschaftliche Kipppunkte sichtbar machen: Nachhaltigkeitsentscheidungen lassen sich greifbarer machen, wenn auch die wirtschaftlichen Kipppunkte klar benannt werden.
- An Fakten statt an Politik orientieren: Statt sich stark an politischen Rahmenbedingungen auszurichten, sollten Nachhaltigkeitsentscheidungen stärker auf feststehenden Fakten und langfristigen Entwicklungen basieren.
- Nachhaltigkeit als Investitionsentscheidung betrachten: Entscheidungen für mehr Nachhaltigkeit sind immer auch Investitionsentscheidungen und sollten genauso strategisch und konsequent getroffen werden.
🧭 Gliederung der Folge:
- Lars Weg zur Nachhaltigkeit (02:01)
- Die größten Themen bei den Kund:innen (03:59)
- Wie bekommt man Kund:innen ins Handeln (06:41)
- Praxisbeispiel (08:37)
- Die wirtschaftlichen Kipppunkte (11:59)
- Bedürfnisse der Unternehmen aktuell (15:16)
- Lars Empfehlungen als Berater (19:37)
- Unsicherheiten im Projekt - Lars Umgang damit (22:36)
- Bestehende Metriken für Nachhaltigkeit nutzen (25:10)
- Lars Nachhaltigkeitsnetzwerktipps (27:54)
Wir haben das Gespräch mit Lars am 05.03.2026 aufgenommen.
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🎧 Wem diese Folge gefallen hat, dem empfehlen wir noch die Folge mit Ralf Leister und mit Ole Heins zu Energielösungen. 💡 Marius Eßer von Afry Management Consulting
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Der CEO2-neutral Podcast ist ein PHATes Projekt der Nachhaltigkeitsberatung PHATsustainability von PHAT CONSULTING
Viel Spaß bei der 192. Folge von CEO2-neutral!
Musik: Michael Ahlers, Scribbles: Michael Kutzia
Transkript anzeigen
00:00:19: Moin und herzlich willkommen zum CO2 Neutral Podcast, dem Interview-Podcast von FET Consulting.
00:00:26: Wir begleiten Unternehmen auf ihrer Reise der digitalen und nachhaltigen Transformation und
00:00:31: treffen dazu immer wieder und das auch schon seit Jahren interessante Gesprächspartnerinnen,
00:00:38: die euch liebe Zuhörerinnen zum Nachmachen animieren wollen und auch ein bisschen inspirieren. Denn
00:00:44: wir glauben fest daran, dass eine nachhaltige Transformation nur gemeinsam gelingen kann.
00:00:50: Und daher freuen wir uns hier auf den regelmäßigen Austausch mit Expertinnen und heute in einer
00:00:55: ganz neuen Konstellation, nämlich mit mir, Alexandra Hergert von Fed Consulting, die ihr ja aus
00:01:01: dem Corporate Sustainability Briefing monatlich kennt, und meinem Gast Lars Schellhaas von
00:01:08: Kiesfeld. What a name! Lieber Lars! Du bist wie ich aus dem Beratungsumfeld und schon seit
00:01:16: vielen Jahren im Energiebereich unterwegs und von Ralf Leis, Star von Otto, der in letzten
00:01:22: Folge da war, wurdest du uns als MacGyver der Energiewende vorgestellt. Daher freue ich mich
00:01:29: heute sehr darüber, deine Sicht auf die aktuelle Lage zu bekommen und auch darüber hinaus zu
00:01:36: hören, was dich so umtreibt. Aber erst einmal schön, dass du da bist und wie geht's? Vielen,
00:01:42: vielen Dank. Vielen Dank für die Einladung. Mir geht es prima. In Hamburg wie immer strahlender
00:01:48: Sonnenschein. Insofern könnte es nicht besser sein. Zu einem anderen dann gleich. Genau.
00:01:55: Ja, wir fragen immer unsere Gäste, wie sie zur Nachhaltigkeit gekommen sind und wie war das
00:02:00: denn bei dir? Das ist eine verforenene Geschichte, aber ganz simpel. Ursprünglich komme ich aus
00:02:06: Nordrhein-Westfalen und genauer gesagt aus dem Rheinland. Und wenn man da aufwächst, dann
00:02:12: wird man früher oder später durch Braunkohle in Industrie geprägt. Wir haben riesige Tagebaue
00:02:17: mit Hambach und Gartsweiler. Die Energie- und Industriepolitik ist da nicht so abstrakt,
00:02:23: sondern das prägt wirklich den Ort nebenan, die Familie vom Nachbarn und dem ganzen Region.
00:02:29: Ursprünglich bin ich zu dem Thema über den Klimawandel gekommen, über Klimawandel zur Energie. Als
00:02:37: Jugendlicher hatte ich damals einfach eine unbequeme Wahrheit. von Al Gore damals gesehen. ich
00:02:43: glaube, der Film hat sehr viele Menschen geprägt und mich eben auch. Ich habe mich dann politisch
00:02:48: engagiert, mich viel mit Umwelt- und Klimathemen beschäftigt. Aber irgendwann habe ich auch
00:02:53: einfach gemerkt, der entscheidende Hebel, ich glaube, der liegt nicht nur in Politik oder
00:02:58: Aktivismus, sondern die wirklich großen Hebel liegen eben in der Industrie und in ihren Investitionsentscheidungen.
00:03:04: Und deshalb habe ich dann Maschinenbau und Energietechnik studiert. Und da wurde mir auch relativ schnell
00:03:09: klar, Transformationen. Das passiert nicht durch gute Absichten, sondern nur durch Investitionen
00:03:15: in reale Anlagen, Prozesse und Infrastruktur. Genau an der Stelle arbeite ich jetzt gerade.
00:03:21: Sehr spannend. Und es ist tatsächlich so, dass ich auch diesen Film als Pflicht gucken musste
00:03:29: in der Schule. Ich war in Schweden in der Schule und ich erinnere noch, der hat in diesem Kino
00:03:32: gemietet und dann mussten wir uns da alle reinsetzen und dann wurde dieser Film angeschaut und das
00:03:37: hat mich auch krass. geprägt. Also sehe ich auf jeden Fall Gemeinsamkeiten hier. Ich finde,
00:03:44: die Herleitung macht auf jeden Fall sehr viel Sinn und kann ich komplett nachvollziehen und
00:03:49: geht mir natürlich auch so in meinen aktuellen Beratungsmandaten. Was sind denn aktuell bei
00:03:56: dir so die größten Themen bei deinen Kunden? Ja, also da steche ich wahrscheinlich im Vergleich
00:04:01: zu den anderen Podcast-Gästen auch ein bisschen raus. weil bei meinen Projekten geht es erstaunlich
00:04:06: selten um Nachhaltigkeitsberichte oder ESG-Reporting, sondern es geht halt fast immer um ganz spezifische
00:04:13: Investitionsentscheidungen in der Industrie. Also Fragen wie elektrifizieren wir einen Prozess,
00:04:19: bleiben wir bei Gas, warten wir auf Wasserstoff oder investieren wir in eine ganz andere Technologie
00:04:25: oder auch in ganz anderes Geschäftsmodell. Und das Schwierige daran ist natürlich diese Entscheidung,
00:04:31: oft eine Lebensdauer von 20, 30 Jahren und gleichzeitig verändern sich aber die wichtigen Rahmenbedingungen
00:04:38: gerade sehr schnell. Energiepreise, wir sehen es gerade wieder mit dem Krieg im Iran. Auf
00:04:43: einmal kostet der Liter Diesel über zwei Euro. CO2-Kosten, Regulierungen und weiterhin natürlich
00:04:50: auch globaler Wettbewerb. Und wenn mehrere dieser Faktoren gleichzeitig unsicher sind, dann reicht
00:04:57: einfach eine klassische Investitionsrechnung nicht mehr aus. Und dann geht es eigentlich
00:05:01: um eine ganz andere Frage, nämlich welche Investitionen, die ich heute tätige, funktionieren robust
00:05:08: auch in mehreren möglichen Zukunften. Darum geht es bei meinen Kunden inzwischen oft. Also
00:05:13: baust du mit deinen Kundinnen zusammen einfach unterschiedliche Szenarien auf und anhand von
00:05:20: Szenario A, B, C werden dann die Entscheidungen getroffen. Kann ich mir das ungefähr so vorstellen?
00:05:26: Ungefähr so. Wir schauen uns Grunde eine Bandbreite an möglichen Zukunften an, indem wir zwei,
00:05:33: drei, vier Szenarien definieren, je nachdem, wo die großen Unsicherheiten herkommen bei
00:05:39: den jeweiligen Unternehmen. Und dann kann man sich gut anschauen, was passiert denn mit meinem
00:05:44: Investitionscase, zum Beispiel, wenn sich Energiepreise verdoppeln. Eine Frage, die wir vor zehn Jahren
00:05:50: nicht gestellt hätten. Hätten wir sie mal gestellt, hätten sich einige Unternehmen wahrscheinlich
00:05:56: nicht ganz so schwer getan in der Krise. Aber vorher weiß man es, immer nicht. Hinterher
00:06:01: weiß man es besser. Aber wir schauen uns dann genau solche Fragen an. Was passiert, wenn
00:06:05: Energiepreise deutlich steigen? Was passiert, wenn CO2-Kosten schneller wachsen als erwartet?
00:06:09: Was passiert, wenn bestimmte Technologien doch schneller auf den Markt kommen als gedacht?
00:06:15: Und genauso auch, was passiert, wenn Wettbewerber ihre Prozesse flexibilisieren? und so auch
00:06:21: die Vorteile von Energiewende und volatilen Energiepreisen nutzen können und man selber
00:06:26: das nicht gemacht hat. Also sobald diese Zusammenhänge transparent werden, entscheiden oder entstehen
00:06:32: Entscheidungen meistens erstaunlich schnell. Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen.
00:06:36: Also wie kriegst du deine Kundinnen eigentlich ins Handeln? Genau so, oder? Genau so. Also
00:06:43: ich glaube, Unternehmen müssen eigentlich gar nicht groß motiviert werden. In den meisten
00:06:47: Gesprächen merke ich eigentlich, dass die Verantwortlichen wollen handeln und viele spüren ja auch schon
00:06:52: seit Jahren den Druck und wissen, dass die Transformation kommt. Aber sie sind sich unsicher. Sie müssen
00:07:00: sicherer sein, dass sich die Entscheidungen, die sie heute treffen, wirtschaftlich tragen.
00:07:06: da ist eben genau dieses Problem. Die meisten Unternehmen sind ja hoch spezialisiert in ihren
00:07:11: Branchen und haben Deswegen oft auch nicht genau diesen Blick auf Entwicklungen in der
00:07:19: Energiewirtschaft oder auch darin, wie Technologien, außerhalb ihrer Branche liegen, ihre Unternehmen
00:07:26: selber beeinflussen können und auch wie sie diese nutzen können, um strategisch besser
00:07:30: für die Zukunft aufgestellt zu sein. viele Business Cases basieren oft auf einer einzigen Annahme,
00:07:37: zum Beispiel ein Energiepreis, der konstant über das Jahr und die nächsten zehn Jahre geht
00:07:42: vielleicht noch. Wenn diese Annahme falsch ist, dann kippt natürlich die ganze Investition.
00:07:48: Deshalb arbeiten wir mit Szenarien und wenn da dann quasi dieser Überblick entstanden ist,
00:07:54: dann fallen die Entscheidungen meistens relativ leicht. Ja, spannend. Bevor ich jetzt da nochmal
00:08:01: reingehe und da geht es nämlich dann um die Frage, was die Unternehmen denn dann eigentlich
00:08:06: benötigen, um auch Entscheidungen da angehen zu treffen. Ich habe schon Sicherheit rausgehört,
00:08:11: die ja aktuell nicht. politisch gegeben ist, aber das parken wir mal eben, möchte ich noch
00:08:17: einmal so ein so ein praktischeres Gefühl bekommen. Und zwar, vielleicht kannst du einfach mal
00:08:25: von so einem Kunden von Jahrzehnten, musst auch nicht den Namen nennen, was ihr da gemacht
00:08:30: habt und wie du das angegangen bist und was dann auch das Ziel war. Ja, also ich habe zwei
00:08:37: Beispiele. eins aus einem eigenen Projekt, da kann ich den Namen leider nicht nennen, und
00:08:43: eins, das relativ öffentlich ist, wo wir ohnehin drüber reden können. Im ersten Fall waren Unternehmen
00:08:50: beschränkt durch die Anschlussleistung an ihrem Werk, also die elektrische Anschlussleistung.
00:08:56: Und sie mussten jetzt schauen, wie können wir hier unser Werk ausbauen und auch den zusätzlichen
00:09:03: Strombedarf decken. ohne in zusätzliche Abhängigkeiten zu laufen und das Ganze auch möglichst schnell
00:09:09: zu schaffen, weil natürlich die Verzögerung von so einem Off-Grid-Case einfach viel Geld
00:09:13: kostet. Und da ging es dann nämlich darum zu schauen, okay, wir haben die Optionen, eine
00:09:19: rein erneuerbare Zusatzversorgung, Dieselaggregate, eine kleine Gasturbine und all das war quasi
00:09:29: in dem Kontext, okay, wenn ich das jetzt baue, ist das eine sichere Investition oder nicht?
00:09:35: Also ist das eine Investition, wo ich nächstes Jahr denke, okay, funktioniert noch? Oder ist
00:09:39: das eine Investition, ich nächstes Jahr, wenn der Gaspreis durch die Decke geht oder meine
00:09:47: Wasserstoffversorgung doch noch nicht da ist, eine Investition, wo ich denke, fuck, alles
00:09:53: versenkt und wir kommen gar nicht weiter. Und dafür haben wir uns dann eben diese Investitionen
00:09:59: in verschiedenen Szenarien angeschaut. Und am Ende hat man sich dann für eine Kombination
00:10:06: aus PV, Batteriespeichern und kleineren Notstromaggregaten entschieden, weil die einfach in Summe die
00:10:16: robusteste Alternative war. Sie hat nicht den höchsten Return on Invest im Best Case Szenario
00:10:24: gehabt, aber sie hatte im Schnitt den höchsten Return on Invest über alle Szenarien. Da hast
00:10:29: du jetzt aber auch eine gute Nachricht von denen in den letzten Tagen bekommen, oder? Wer ist
00:10:35: zufrieden mit deiner Arbeit? Die sind auf jeden Fall sehr happy. Das ist wahr. Der zweite Fall
00:10:43: ist für manche aus manchen Industriezweigen, insbesondere Stahlindustrie, noch mal bisschen
00:10:49: näher zu greifen. Das ist jetzt kein Fall, an dem ich gearbeitet habe, aber wo man eben sieht,
00:10:53: was passieren kann. Das ist der Fall von ArcelorMetal hier in Hamburg. ist ja eins der großen Stahlwerke
00:11:00: in Deutschland. Technologisch ist es eigentlich ein relativ fortschrittliches Werk. Statt
00:11:06: der klassischen Hochofenroute nutzen die dann nämlich schon Direktreduktionen und anschließend
00:11:12: mit Elektro-Lichtbogenöfen. Dabei wird unser Eisenerz zunächst mit Gas reduziert und anschließend
00:11:18: im Elektroofen zu Stahl geschmolzen. Das Verfahren verursacht viel weniger CO2 als die klassische
00:11:24: Hochofenroute mit Kohle und Koks. Aber es hat auch eine andere Kostenstruktur, vor allem
00:11:30: weil Energie natürlich eine sehr wichtige Rolle in diesem Prozess spielt. Und als während der
00:11:35: Energiekrise die Gaspareise explodiert sind, ist ihnen genau das zum Verhängnis geworden.
00:11:40: Zeitweise war die Direktreduktionsanlage, wo quasi aus dem Erz das Roheisen gewonnen wird,
00:11:47: komplett heruntergefahren und man musste den Eisenschwamm, das ist quasi das Roheisen, aus
00:11:54: dem Ausland importieren. weil die Produktion vor Ort einfach nicht mehr wettbewerbsfähig
00:11:58: war. Man hat also quasi einen kompletten Wertschöpfungsschritt der Industrie ins Ausland verlagert, weil ein
00:12:05: einziger wirtschaftlicher Kipppunkt erreicht wurde. Und das zeigt sehr gut, worum es in
00:12:10: der industriellen Transformation eigentlich geht, nämlich um diese wirtschaftlichen Kipppunkte.
00:12:15: Genau, die Herausforderung für ein Unternehmen ist deshalb, Investitionsentscheidungen heute
00:12:18: so zu treffen, dass man morgen nicht auf der falschen Seite eines solchen Kipppunkts steht.
00:12:22: Also wirklich spannend und Ich muss dir ehrlich sagen, also wir reden ja ganz, ganz viel über
00:12:29: ökologische Kipppunkte und diese Terminologie wirtschaftlicher Kipppunkt ist ja so treffend,
00:12:37: also den würde ich auf jeden Fall direkt übernehmen. Das ist perfekt. Ich habe ihn tatsächlich auch
00:12:43: für mich aus diesen ökologischen Kipppunkten mitgenommen, weil wir reden ja wirklich viel
00:12:48: über die Klimakipppunkte, sei es jetzt der AMOC, der abbricht oder eben die Temperatur, die
00:12:56: Levels erreicht, wo auf einmal ganze Gebiete nicht mehr bewohnbar werden. Und ich glaube,
00:13:02: sich mal zu vergegenwärtigen, dass diese Kipppunkt-Thematik eben nicht nur ökologische Folgen haben kann,
00:13:10: sondern auch wirklich wirtschaftlich für sehr viele Unternehmen passiert, ist sehr entscheidend,
00:13:17: auch um Leute wieder proaktiv ins Handeln zu bringen. Also ich glaube, viele Viele Manager,
00:13:23: viele Entscheider haben momentan das Gefühl, sie müssen abwarten. Die Welt verändert sich
00:13:28: so schnell, man hofft darauf, dass es irgendwie wieder bisschen stabiler wird, dass stabilere
00:13:34: Planungs- Rahmenbedingungen gibt und da kommen wir einfach nicht hin. Wir müssen uns damit
00:13:42: abfinden, dass die Welt volatil bleibt und auch, dass wir mitten drin sind in so einer Transformation.
00:13:49: Wer irgendwie den Berg hochfährt, irgendwann kommt er auch auf der anderen Seite an. Und
00:13:57: ich glaube, da ist wirklich die Gefahr, dass viele Unternehmen das Risiko unterschätzen,
00:14:01: dass sie durch den Lock-in-Effekt haben, den sie jetzt gerade haben, wenn sie halt nicht
00:14:08: investieren. Gut. Okay, da gehe ich mit. Und ich sehe es aber immer so nicht als eine Wanderung
00:14:16: auf einen Berg, sondern eher als eine Altenüberquerung, dass man sagt, also Guter Vergleich. Es kann
00:14:24: halt sein, dass dahinter dann noch ein hoher Berg kommt, aber... Das stimmt. Dann gehen
00:14:29: wir das an, wenn es so weit ist. Jetzt ist das tatsächlich eine gute Überleitung zu der Frage,
00:14:35: die ich ja eben auf den Parkplatz gestellt habe. Wir sind uns auf jeden Fall einig, dass die
00:14:42: Unternehmen definitiv jetzt den Weg gehen sollten. Und viele hoffentlich denken, wäre ich nicht
00:14:50: schon vor fünf Jahren diesen Weg gegangen. Aber es gibt ja auch noch Faktoren, die diese Entscheidungen
00:14:56: beeinflussen. Und das ist die nächste Frage. Was brauchen die Unternehmen deiner Meinung
00:15:02: nach jetzt, um auch diese Entscheidungen treffen zu können? Und da mache ich mal so einen kleinen
00:15:09: Hint hin, so ITS, Mertz, Heizungsgesetz. Was löst das India aus? Ach ja. Was löst das In-
00:15:18: Aus-Mirror aus? Es löst viele frustrierende Gefühle aus. Ich glaube, wir sagen seit ungefähr
00:15:27: zehn Jahren, dass Unternehmen Planungssicherheit brauchen. Wir wissen, dass Unsicherheit und
00:15:34: einfach unsichere Zeiten dafür sorgen, dass Leute Investitionen nach hinten stellen, dass
00:15:39: man einfach vorsichtiger wird. Und das ist ja auch absolut richtig. Viele Unternehmen können
00:15:45: es sich halt nicht leisten. falsch zu investieren und da komplett falsch abzubiegen. Jetzt haben
00:15:51: wir ja eigentlich sehr viele Mechanismen geschaffen, um auch solche Planungssicherheit zu bieten.
00:15:57: Also der ETS ist meiner Meinung nach eine der größten Errungenschaften der Klimapolitik in
00:16:04: ganz Europa, verbutlich auf der Welt, einfach weil er es planbar macht, wie viel CO2 wir
00:16:10: emittieren werden. Er macht es planbar, wie viel kosten wird, CO2 zu emittieren. Und auch
00:16:16: wenn ich mir heute die Preise anschaue, weiß ich natürlich nicht direkt, wie sie morgen
00:16:19: aussehen werden. Aber es ist ein Markt, den kann man modellieren. Und da kann man eben
00:16:25: auch Prognosen machen und gute Szenarien aufspannen. Das heißt, ich glaube, eigentlich wollen Unternehmen
00:16:33: Planungssicherheit haben und die kriegen sie momentan nicht von der Politik, insbesondere
00:16:38: auch von einer Politik, die sie versprochen hat. Nicht gleichzeitig. können Unternehmen
00:16:45: aber auch nicht mehr länger warten. Das sagen Verbände, das sagen Einzelunternehmen seit
00:16:49: Jahren, sondern wir können nicht mehr länger warten. Es muss jetzt mal eine klare Richtungsentscheidung
00:16:54: geben. Und ich glaube, da hilft es, sich als Unternehmen selber mal mit der Frage auseinanderzusetzen,
00:17:01: okay, wohin geht denn die gesellschaftliche Reise? Also ich glaube, darauf zu warten, dass
00:17:08: ein Kanzler Merz sich hinstellt und jetzt mal ganz klare Ansagen macht, was denn tatsächlich
00:17:13: Fakt ist. Da können wir momentan wohl lange drauf warten. Aber ich kann mich eben auch
00:17:19: als Unternehmen einmal damit befassen, was sind denn Sachen, die politisch entschieden werden
00:17:25: und was sind Sachen, die einfach an der Realität und an der Physik liegen, die einfach nicht
00:17:31: wegzureden sind. Und so hart das ist, Klimawandel wird nicht weggehen, egal welche Regierung
00:17:40: an der Macht ist. Egal welche Regierung in Deutschland an der Macht ist, wird es den ETS nicht grundlegend
00:17:45: verändern. Und auch wenn wir hier und da gerade wieder so ein paar Rückschritte haben, auch
00:17:50: mit der kostenlosen Zuteilung von CO2-Zertifikaten, die genau die Unternehmen abstraft, die schon
00:17:56: investiert haben. Wie ein Salzgitter zum Beispiel, die schon viel in Elektrifizierung von der
00:18:02: Stahlproduktion investiert haben, die jetzt natürlich so bisschen den Boomer gezeigt bekommen
00:18:07: dafür, dass sie schon vorangeschritten sind. Da muss man sich an die Politik auch ein bisschen
00:18:13: an die Nase fassen. Aber als Unternehmen kann man sich nicht darauf ausruhen, zu sagen, ja
00:18:17: die Politik irgendwann wird sie schon machen. Ich glaube, die meisten Unternehmer und meisten
00:18:21: Entscheider sind sich dessen sehr bewusst und wollen auch voranschreiten. Und wenn sie die
00:18:28: Planungssicherheit nicht von außen bekommen, dann müssen sie sie eben intern schaffen. Weil,
00:18:33: wenn die Rahmenbedingungen nicht robust sind, dann sollte es wenigstens meine Investitionsentscheidung.
00:18:40: in der Bandbreite dieser Szenarien sein. Ja, das ist richtig spannend und auch diese Leitfrage,
00:18:48: wohin geht die Reise, also dass man sich einmal damit wirklich beschäftigt und das auf unterschiedlichsten
00:18:53: Ebenen betrachtet, das ist, denke ich, notwendig. Vor allem in Zeiten wie diesen, wo gefühlt
00:19:00: wirklich jede Woche neue Dinge passieren, die mehr Unsicherheit, vor allem politische Unsicherheit
00:19:06: mit sich bringen. Aber so wie du auch sagst, am Ende wissen wir leider, muss man ja sagen,
00:19:13: wo es hingeht. Die Klimakrise ist voll im Gang und wir werden damit leben müssen. Deswegen
00:19:22: würde mich jetzt tatsächlich interessieren, wenn du jetzt mal so einen Blick auf 2026,
00:19:27: 2027 wirbst, was sind da so die Themen, die du am stärksten bei dir in deinem Beruf liegen
00:19:36: siehst? Wir haben es ja gerade schon ein bisschen angeschnitten. Ich glaube, viele Unternehmen
00:19:40: realisieren das gerade, dass Planungssicherheit so schnell nicht zurückkommt. Energiepreise
00:19:45: bleiben volatil, Regulierung verändert sich weiterhin, Technologien entwickeln sich weiter.
00:19:51: Und gleichzeitig sehen wir auch gerade eine enorme Beschleunigung bei vielen Technologien,
00:19:56: es KI, sei es erneuerbare Energien, sei es Speichertechnologien, sei es Elektroautos. Und diese Entwicklungen
00:20:03: werden sich in den nächsten Jahren durch viele Industrien durchziehen. weil einfach immer
00:20:08: mehr Industrien auf diese ökonomischen Kipppunkte zusteuern, wo es einfach keinen Sinn mehr macht,
00:20:13: der konventionellen Boote zu gehen und die Neue einfach übernehmen wird. Deshalb wird aus meiner
00:20:19: Sicht in den nächsten zwei Jahren eine Fähigkeit immer wichtiger und das ist eben robuste Entscheidung
00:20:25: unter Unsicherheit zu treffen. Und ich glaube darauf werden sollten viele Unternehmen in
00:20:32: den nächsten zwei Jahren ihren Fokus legen müssen. richtig spannend und total wertvoll auch zu
00:20:38: wissen, dass es mit dir so einen Experten gibt, der sich das gemeinsam mit den Unternehmen
00:20:45: auch anschaut. Es ist ja schon auch sehr, also wir haben ja immer so den Sprech in der Beratung,
00:20:51: es gibt das Berater-Tee und das ist die obere Leiste. Die Zuhörer können mich jetzt nicht
00:20:56: sehen, aber der Strich, der waagerechte Strich ist sozusagen das Breite und dann der senkrechte
00:21:02: Strich, das ist das in die Tiefe und ich würde auf jeden Fall sagen bei dir, Der Sprich senkrecht
00:21:06: geht ganz schön deutlich. Ich glaube, diese T-Profile sind sehr spannend. Da reden wir
00:21:14: auch bei uns oft drüber. Ich glaube, in diesen schnell veränderlichen Zeiten ist es auch normal,
00:21:20: dass man einerseits in viele Bereiche reinschaut. Ich habe ja auch paar Schleifen durch Beratung,
00:21:26: durch Digitalisierung gemacht, als Product Owner zwischenzeitlich gearbeitet. Und gleichzeitig
00:21:33: braucht es aber diese Spezialisierung. Und wer als Mittelständler irgendwo arbeitet, weiß
00:21:39: das. Die meisten sind hochspezialisiert, gehen sehr, sehr in die Tiefe. Und wenn man da als
00:21:44: Berater mithalten möchte oder eben auch seinen Kunden verstehen möchte, dann muss man da natürlich
00:21:50: auch immer sehr tief in die Tiefe gehen können. Ich würde noch interessieren, du sprichst ja
00:21:57: von diesen robusten Entscheidungen in unsicheren Zeiten. Und dadurch, dass die Zeiten unsicher
00:22:04: sind, ist es ja nicht so, dass du startest und dann verändert sich nichts. Sondern wahrscheinlich
00:22:10: muss ja immer wieder das Projekt angepasst werden, reevaluiert werden und so weiter und so fort.
00:22:17: Und da würde mich interessieren, wie du das in deinen Projekten eigentlich machst. Also
00:22:23: wie etablierst du einen Prozess, der mit diesen starken Unsicherheiten gut umgehen kann? Jetzt
00:22:32: vielleicht einmal zu der Robustheit Deines. Ja, das ist eine sehr gute Frage, weil man
00:22:39: kennt es ja aus vielen Unternehmen. Einzelprojekte sind schön und gut, aber Prozesse werden selten
00:22:46: angefasst und deswegen werden systemische und strukturelle Änderungen auch gar nicht so konsequent
00:22:51: angegangen. Ich glaube, was man sich vor Augen führen sollte, gerade auch mit Nachhaltigkeitsthemen,
00:22:58: aber auch mit allen anderen Themen, es geht selten um sondern das eine Projekt. Nachhaltigkeit
00:23:04: ist kein Projekt. Genauso wenig war Effizienz bei Toyota ein Projekt. ist immer die Frage,
00:23:11: wie kann ich ein System schaffen, das nach und nach die Weichen stellt und nach und nach die
00:23:17: richtigen Schrauben dreht, um mein System optimal zu machen. Wenn ich jetzt an meine Projekte
00:23:23: denke und gerade daran, wie ich mit meinen Kunden zusammen Investitionsentscheidungen bewerte,
00:23:30: dann ist es oft ja auch erstmal eine neue Methodik, die reinkommt ins Unternehmen, die dafür sorgt,
00:23:37: man Faktoren, die man bisher komplett vernachlässigt hat, weil man sie vernachlässigen konnte, mit
00:23:44: in die Entscheidungsbewertung einfließen lässt. es gibt ja in der Nachhaltigkeitsbranche viele
00:23:50: Möglichkeiten oder auch viele Methoden, um Nachhaltigkeit zu bewerten, sei es Lifecycle Assessments von
00:23:57: Produkten oder von Prozessen. sei es auch zu schauen, wie viel CO2 habe ich in meinem Prozess
00:24:04: und eventuell auch einen CO2-Preis intern darauf anzuwenden, damit ich da eben in jeder Entscheidung
00:24:11: automatisch den Nachhaltigkeitsfaktor in meine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mit reinnehme.
00:24:17: Ich glaube, aus meiner Sicht, aus meiner Erfahrung ist es entscheidend, Nachhaltigkeit nicht zu
00:24:24: einem soften Faktor in Entscheidungen werden zu lassen. Und das passiert oft, wenn ich extra
00:24:30: Nachhaltigkeitsmetriken habe, sondern ich muss schauen, wie kann ich tatsächlich die mittel-
00:24:37: und langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen, die meine Nachhaltigkeitseffekte haben, also
00:24:43: meine Entscheidungen auf Nachhaltigkeit haben, wie kann ich das in meine Entscheidungen rund
00:24:48: um Investitionen und um Richtungsentscheide direkt mit reinnehmen? Wow. Ja, gehe ich mit.
00:24:55: Und hast du da ein konkretes Beispiel? Also wo du sagst, okay, da haben wir es geschafft,
00:25:01: eine Nachhaltigkeitsmetrik nicht separat noch zu etablieren, sondern einfach eine Metrik,
00:25:08: die schon besteht. Das ist tatsächlich oft nicht so leicht, weil natürlich die einzelnen
00:25:14: Entscheidungen in Unternehmen, die passieren ja auf so vielen Ebenen und in so vielen Formen
00:25:18: und Farben, sage ich mal. Aber wenn ich jetzt zurückdenke an einen meiner früheren Arbeitgeber,
00:25:25: wo wir uns das Thema auch angeschaut haben. Das Managementberatung. Sie sind sehr viel
00:25:30: geflogen, gerade vor Corona noch. wenn gebucht wurde über das interne Buchungstool, dann hatte
00:25:38: man natürlich immer die Preise da stehen. Das Flugzeug war oft günstig, der Zug war oft ein
00:25:43: bisschen teurer. Was aber natürlich nicht berücksichtigt war, war der Impact auf die CO2-Bilanz. Als
00:25:52: öffentliches, börsengelistetes Unternehmen wurden natürlich auch CO2-Visionen erfasst. aus den
00:25:58: Reisetools und flossen am Ende in den Nachhaltigkeitsbericht ein. Und das ist eine perfekte Stelle, wenn
00:26:05: ich weiß, okay, alle Entscheidungen gehen hier durch dieses Nadelöhr, wo ich direkt visuell
00:26:10: sehe, ah, okay, das ist günstiger, das ist teurer, da dann den CO2-Preis zum Beispiel anzuwenden
00:26:17: auf die verschiedenen Optionen, sodass ich da auch dann wirklich informierte Entscheidungen
00:26:23: treffen kann. Tolles Beispiel. finde ich richtig stark. Also die Menschen, die mich kennen und
00:26:27: gerade zu hören werden, lachen, weil ich bin total Riesenfan von dem internen CO2-Preis.
00:26:33: Also es ist wirklich so das erste, was ich versuche einzuführen in meinem Verdunstner-Halm. Leider
00:26:39: noch nicht so erfolgreich. Es ist auch immer ein bisschen schwierig, die Leute davon zu
00:26:44: überzeugen, aber am Ende des Tages ist es ja, also muss man ihn einfach auch vor Augen führen,
00:26:49: es ist ein... Kostenrisiko, das Sie da momentan in Ihrem Prozess drin haben, das bisher unsichtbar
00:26:56: ist. Genau. Ja, und ich finde es so gut, weil Zahlen, das können eigentlich alle auf dem
00:27:04: C-Level, soll man zumindest vermuten oder annehmen. ja, aber vielen Dank für das Beispiel. Das
00:27:12: hat es auf jeden Fall auch nochmal konkretisiert. ich finde, also es klang ein wenig kompliziert,
00:27:17: aber du hast das ganz großartig einfach erklärt, aber es klang sehr kompliziert und wenn man
00:27:23: dann aber so ein praktisches Beispiel hört, ist man so, ach ja, so einfach ist das eigentlich.
00:27:28: Absolut. Jetzt kommen wir schon leider zur vorletzten Frage und wir haben ja von dir gehört
00:27:35: über den Ralf, habe ich ja schon gesagt, wie der dich vorgestellt hat und wir haben ihn
00:27:40: gefragt, welche Nachhaltigkeitsmanagerin oder Person so aus unserer Bubble ihn inspiriert
00:27:47: und da kam dann dein Name auf. Ist das denn bei dir? Wen rufst du an, wenn du Austausch
00:27:53: brauchst? Ja, das ist natürlich bisschen witzig, weil Ralf ja auch schon hier war. Aber tatsächlich,
00:28:00: Ralf steht auch auf meiner Liste. Ich habe auch noch jemand anderen mitgebracht. Aber Ralf
00:28:05: als jemand, wirklich in der operativen Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien in großen Konzernen
00:28:12: tätig ist, ist für mich einfach auch ein primärer Ansprechpartner um die Pro... Probleme, die
00:28:16: gerade in der Wirtschaft vorherrschen, auch wirklich nachvollziehen zu können. Ich meine,
00:28:23: Folge, die ihr gemacht habt mit dem zusammen, da ging es ja auch viel um Science-based-Targets
00:28:26: und auch, man diese nutzt, um auch das eigene Geschäftsmodell nachhaltiger und auch nachhaltig
00:28:33: robuster aufzustellen, inklusive Lieferketten und Scope-3-Emissionen. Also da die Podcastfolge,
00:28:39: die kann ich jedem empfehlen, die ihr gerade zuhört. Und als zweiten Ansprechpartner habe
00:28:45: ich noch Marius Esser von A3 Management Consulting. Das ist ein ehemaliger Kollege von mir und
00:28:50: der ist Experte für den europäischen Strom- und Energiemarkt. Er arbeitet viel mit langfristigen
00:28:55: Preis- und Marktszenarien, die für Investitionsentscheidungen extrem wichtig sind. Und wir tauschen uns bis
00:29:02: heute regelmäßig aus, gerade mit Blick eben auf zukünftige Kipppunkte in der Industrie.
00:29:09: die Industrie modulieren kann und der andere den Blick auf die verschiedenen Faktoren in
00:29:13: der Langfristplose hat, dann kommt man oft zu überraschenden Ergebnissen. Klasse. Vielen
00:29:18: lieben Dank. Ja, dann kommen wir auch schon zur letzten Frage. Und ich glaube, Maike und
00:29:24: Nils sagen dazu immer, hast du noch einen Appell an die Zuhörerinnen? Beziehungsweise, wenn
00:29:31: du keine Lust auf Appell hast, dann kannst du auch einfach. folgende Frage beantworten und
00:29:37: zwar was sollen unsere Hörerinnen heute mitgenommen haben? Also ich glaube aus meiner Sicht Nachhaltigkeit
00:29:44: oft als moralisches Thema diskutiert. In der Industrie ist es aber vor allem ein wirtschaftliches
00:29:50: Thema. Energiepreise, CO2-Kosten und die Regulierung verändern gerade die Kostenstrukturen vieler
00:29:56: Branchen und deshalb müssen Unternehmen einfach Wege finden, Investitionsentscheidungen unter
00:30:02: Unsicherheit besser zu treffen. Am Ende geht es dabei nicht um Weltverbesserung, sondern
00:30:07: eben um gute Unternehmensführung. um das jetzt noch mal am letzten Moment ein bisschen zuzuspitzen,
00:30:15: Decarbonisierung ist halt kein Weltverbesserungsprojekt, sondern industrielles Risikomanagement. Und
00:30:22: die entscheidende Frage ist nicht, welche Investition heute optimal aussieht, sondern welche Investition
00:30:27: auch morgen noch funktioniert. Ja, klasse. Es gab ja mal diese Ansprache beim Weltwirtschaftsforum
00:30:35: vor Jahren. Ich glaube, es war parallel zu Fires for Future wohl, da der Blackstone-CEO meinte,
00:30:40: decarbonize or die. Und das wurde ja dann immer so gesagt, als es da um diese Weltverbesserungsnachhaltigkeit
00:30:49: ging. Aber ich finde, es ist nach wie vor eigentlich ein wirklich sehr passender Spruch. Das nehme
00:30:55: ich auf jeden Fall mit. Was ich ebenfalls mitnehme, sind diese wirtschaftlichen mehr über die
00:31:00: zu sprechen und auch, was ich super spannend finde, vor allem für Erstgespräche, aber auch
00:31:09: wiederkehrende Gespräche mit Unternehmen, häufig mal so die Frage zu stellen, wie siehst du
00:31:16: das denn, wo die Reise hingeht? das mal anzuhören, ist dir das Gegenüber sich eigentlich bewusst,
00:31:23: wo wir hinsteuern? Weil wenn das Bewusstsein da ist... Dann werden auch relativ schnell
00:31:29: eigentlich hoffentlich dann auch die richtigen Enteilungen getroffen, weil man ja weiß, wo
00:31:35: wir hinsteuern. Das und natürlich das, was du gesagt hast, plus diese Steuerungsmetriken,
00:31:44: das fand ich nochmal gut zu hören. Ist auch immer, was ich so von mir gebe und doch merke
00:31:52: ich, es werden dann doch nochmal extra Kennzahlen etabliert und es läuft wieder so nebenher
00:32:00: oder als Silo. Dabei müsste es vielmehr innerhalb der Steuerungslogik und Metriken des Unternehmens
00:32:08: laufen und nicht in eine Parallelwelt aufgebaut werden. Genau, das erlebe ich nämlich genauso.
00:32:14: Und deswegen ist meine Empfehlung für Nachhaltigkeitsbeauftragte und Co. auch eigentlich immer, sich zu überlegen,
00:32:22: wo man diese Nachhaltigkeitsaspekte in wirtschaftliche Entscheidungen einfließen lassen kann. Also
00:32:28: wie man es schafft, wirtschaftliche Risiken und auch Log-in-Effekte und negative Investitionsauswirkungen
00:32:37: sichtbar zu machen im Unternehmen, damit eben nicht Nachhaltigkeit zu einem Silo-Thema und
00:32:42: einem Reporting-Thema wird, sondern wirklich als Beeinflusser in die Entscheidung mit eingeht.
00:32:49: Toll. Das möchte ich jetzt einfach so stehen lassen und bedanke mich an dieser Stelle ganz
00:32:56: herzlich für deine Zeit und für die wertvollen Inhalte. Und ich gehe mal davon aus, dass wir
00:33:03: uns noch hören und sehen in der Zukunft und wünsche dir jetzt aber erstmal einen schönen
00:33:08: sonnigen Tag in fantastischen Stadt. Vielen, Dank. Es hat mich sehr gefreut. Danke auch
00:33:15: fürs Gespräch, Alexandra. Und genau, wir hören und sehen voneinander. Falls jemand anderes
00:33:22: sich noch austauschen möchte, erreicht ihr mich auch immer unter LinkedIn oder über meine Webseite.
00:33:27: Die verlinken wir natürlich. Bis dann. Bis dann. Tschüss.