Human in the Loop: Wie gelingt die Mensch-Maschine-Zusammenarbeit?

Shownotes

📌 Unsere Learnings aus der Folge:

  1. Die doppelte Unsicherheit bei der Nutzung von KI: Überschreibe ich die KI-Entscheidung oder folge ich ihr? Was passiert, wenn ich mich hier falsch entscheide? Wie kann ich meine Mitarbeitenden hier unterstützen?
  2. Der Automation Bias muss im Blick bleiben, denn Menschen neigen dazu der Maschine mehr Kompetenz zuzusprechen.
  3. Aus Fehlern lernen heißt, Fehler sichtbar machen zu dürfen. Eine offene Fehlerkultur ist unerlässlich

🧭 Gliederung der Folge:

  • Maurice Weg in die Forschung (02:46)
  • Erfolgreiche Zusammenarbeit von Mensch und Maschine (04:18)
  • Umgang mit Verantwortung (07:33)
  • Die doppelte Unsicherheit beim Umgang mit KI (09:30)
  • Auswirkungen der fehlenden Juniorstellen (11:37)
  • Wo sind die Grenzen der Machine (13:35)
  • Best Practice Mensch-Maschine-Entscheidung: Fehlerkultur (14:32)
  • Der Prozess ist die Basis (22:19)
  • Über das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (24:19)
  • Maurice Expert:innen Tipps (28:32)

Wir haben das Gespräch mit Maurice am 14.07.2026 aufgenommen.


🔗 Mehr erfahren & vernetzen:

🎧 Wem diese Folge gefallen hat, dem empfehlen wir noch die Folge mit Dr. Eva Gengler über Feministisch KI.

👉 Der direkte Kontakt zu unserem Gast Dr. Maurice Stenzel und seinem Forschungsprojekt „Human in the Loop”.

👉 Über euer Feedback freuen sich Meike & Nils via LinkedIn

📞 Oder direkt bei uns in Hamburg: 040 – 226 383 100

✉️ moin@ceo2neutral.de

Der CEO2-neutral Podcast ist ein PHATes Projekt der Nachhaltigkeitsberatung PHATsustainability von PHAT CONSULTING


Viel Spaß bei der 201. Folge von CEO2-neutral!

Musik: Michael Ahlers, Scribbles: Michael Kutzia

Transkript anzeigen

00:00:19: Moin und herzlich willkommen zu unserem CEO2 Neutral Podcast, dem Interview Podcast von

00:00:25: uns, von FET Consulting. Wir begleiten Unternehmen auf ihre Reise der digitalen und nachhaltigen

00:00:30: Transformation und treffen dazu immer wieder interessante GesprächspartnerInnen, die euch

00:00:35: inspirieren und uns inspirieren und zum Nachahmen animieren sollen. Denn am Ende glauben wir

00:00:39: fest daran, dass wenn wir über digitale und nachhaltige Transformation sprechen, das nur

00:00:43: gemeinsam gelingen kann. Und daher freuen wir uns eben auf regelmäßigen Austausch mit ExpertInnen.

00:00:49: Und normalerweise würde ich jetzt einfach Nils fragen, wie es eben so geht, und wir würden

00:00:52: plaudern. Ich bin aber heute alleine, da Nils im wohlverdienenden Urlaub ist. Deswegen darf

00:00:57: ich direkt tatsächlich unseren Gast vorstellen. Und zwar bin ich heute mit Maurice, und zwar

00:01:02: Dr. Maurice Stenzel. Wir wollen ja einmal den Titel in Gänze aussprechen. Ich würde dann

00:01:06: aber aufs Du übergehen, Maurice. Maurice, du bist Senior Researcher am Alexander von Humboldt-Institut

00:01:12: für Internet und Gesellschaft. Und ein aktuelles Forschungsprojekt heißt Human in the Loop,

00:01:18: Autonomie und Automation in soziotechnischen Systemen. Und genau der Punkt, ist halt so

00:01:25: spannend und der trifft uns als Beratungsunternehmen auch so doll, weil wir ja auch uns die ganze

00:01:31: Zeit die Frage stellen, wie gelingt eigentlich die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine?

00:01:35: FED steht ja lustigerweise auch für Pairing Humans in Technology. Also ich meine, das ist

00:01:39: wirklich das Kernthema, womit wir uns beschäftigen. Deswegen freue ich mich total mit dir, in nächsten

00:01:44: 30 Minuten ein in das Feld einzutauchen, Maurice, und nicht nur die wirtschaftlichen Aspekte

00:01:49: und Technologieinnovation zu betrachten, sondern eben auch die Auswirkungen auf Gesellschaft,

00:01:53: auf uns Menschen mal mit dir zu besprechen. Jetzt habe ich ganz lang gesprochen, Maurice.

00:01:58: Herzlich willkommen, schön, dass du bei uns bist. Und wie geht es dir? Vielen Dank. Ich

00:02:01: freue mich sehr über die Einladung. Mir geht es sehr gut. Der Sommer steht vor der Tür.

00:02:05: Damit eben auch der wohlverdiente Urlaub, der dann in absehbarer Zeit kommt nach dem Sommer.

00:02:09: Das ist in der Wissenschaft ja immer so. beginnt der Konferenzmarathon. Das heißt, ab September

00:02:13: bin ich relativ viel unterwegs und darf in vielen verschiedenen Gelegenheiten über meine Arbeit

00:02:18: sprechen, was toll ist, aber natürlich jetzt dann vom Urlaub ein bisschen was anhäuft. Dann

00:02:23: freue ich mich, dass wir es noch vor deinem Urlaub geschafft haben, wenn uns ein bisschen

00:02:26: was erzählst. Dune, bevor wir so bisschen direkt reinstarten, dir ins fachliche. Wird mich noch

00:02:32: mal bisschen der Zoom-out interessieren. Wie bist du denn eigentlich in die Forschung gekommen?

00:02:37: und jetzt auch auf das Forschungsthema beschäftigt. Hat dich das schon immer interessiert? War

00:02:42: dir schon immer klar, ich werde Wissenschaftler? Wie kam es dazu? Im Grunde meine Arbeit gehe

00:02:48: ich den Zusammenhängen und den Wechselwirkungen von Digitalisierung und Gesellschaft nach.

00:02:52: Und wenn ich so zurückdenke, dann hat das eigentlich schon relativ früh begonnen, nämlich schon

00:02:55: so Mitte der 90er, als ich begonnen habe, dem alten Windows-311-Rechner bei uns zu Hause

00:03:01: die verschiedenen Fenster durchzuklicken und zu entdecken, was sich dahinter alles so verbirgt.

00:03:05: Irgendwann später kam dann auch das Internet dazu und ich habe zu der Zeit als Jugendlicher

00:03:10: auch relativ viel Musik gemacht. Da brauchten wir dann irgendwann auch eine Internetseite.

00:03:14: Und dann habe ich mir das Ganze mal angeschaut und habe festgestellt, so kompliziert ist das

00:03:18: ja gar nicht und ich kann irgendwie hier auch ein Teil sein, kann mitgestalten, habe angefangen,

00:03:22: Webseiten zu schreiben und so hat sich dann Stück für Stück alles weitere ergeben und ich

00:03:28: bin immer tiefer eingetaucht in dieses Internet. Ab danach meinem Abschluss angefangen zu

00:03:33: forschen in verschiedensten Forschungsprojekten, in denen es eben genau um diese Frage geht.

00:03:37: Also im Grunde, wie organisieren sich eigentlich Gemeinschaften, kulturelle Kontexte unter den

00:03:42: Bedingungen digitaler Vernetzung und habe das an verschiedensten Forschungsprojekten seitdem

00:03:48: auch gemacht und bin dieser Frage nachgegangen. Und dann jetzt natürlich, also ich weiß KI

00:03:52: gibt es natürlich schon viel länger, aber jetzt eben durch die Generative AI gibt es ja einen

00:03:59: wahnsinnigen Boom sozusagen. Also ich glaube keinen Das Unternehmen aktuell vermutlich weltweit

00:04:05: beschäftigt sich gerade nicht mit dem Thema KI und dann sind wir direkt auch an dieser

00:04:09: Schnittstelle Mensch-Maschine nochmal viel mehr angekommen. Ganz einfache Frage zum Anfang.

00:04:14: Wie gelingt denn eigentlich eine gute Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine? Also zunächst

00:04:18: einmal müssen wir den Blickwinkel darauf nochmal ein bisschen präzisieren, denn aus unserer

00:04:21: Sicht gibt es keine guten Entscheidungen, sondern eben nur gute Prozesse, die zu Entscheidungen

00:04:26: führen. Wir sprechen deswegen in der Forschung, in unserem Forschungsprojekt vor allem von

00:04:30: effektiven Entscheidungsprozessen. Die sind immer auf ein bestimmtes Ziel hinausgerichtet.

00:04:34: Also im Grunde geht es bei unserer Forschung um die Frage, wie kann ich eigentlich die Prozesse

00:04:38: so gestalten, dass Mensch und Maschine wirksam zusammenarbeiten können, dass sie am Ende einen

00:04:42: guten Entscheidungsprozess haben. Weil die Frage, ob eine Entscheidung jetzt gut oder schlecht

00:04:46: ist, sich ohnehin erst im Nachhinein beantworten lässt und auch total abhängt von der jeweiligen

00:04:52: Aufgabenstellung vom Problem, aber eben auch von den jeweiligen Perspektiven, die die verschiedenen

00:04:57: Betroffenen beteiligten, auf das Problemfeld werfen. Was sagst du denn? Also es gibt ja

00:05:03: unterschiedliche Blickwinkel, wenn wir direkt in die Interaktion schauen. Einmal gibt es

00:05:07: natürlich irgendwie direkt, ich als Anwenderin, die irgendwie eine gewisse Verantwortung trägt.

00:05:13: Das gibt aber auch mein Unternehmen sozusagen, das gewisse Rahmenbedingungen. festsetzen

00:05:18: muss, vielleicht können wir da mal so ein bisschen anfangen, die Zwiebel zu schälen sozusagen.

00:05:22: Also sind das die Perspektiven, die du auch schaust, wenn du über Human in the Loop sozusagen

00:05:27: auf dein aktuelles Forschungsthema auch gehst und was sticht da für dich heraus? Klar, damit

00:05:32: sind wir im Grunde beim Kern. In meiner Forschung geht es um die Fragen von Governance, also

00:05:35: im Grunde um die Fragen von Regeln, Bedingungen, also Rahmenbedingungen von Prozessen, von Rollen

00:05:41: und wie müssen die eigentlich verteilt werden, damit es am Ende tatsächlich zu einem Ergebnis

00:05:46: führt, mit dem die Beteiligten zufrieden sind. Also im Grunde einen effektiven Entscheidungsprozess

00:05:51: dahin gebaut haben mit den jeweiligen Systemen, aber eben auch den jeweiligen Menschen, die

00:05:55: darin beteiligt sind. Deswegen ist das im Grunde die Kernfrage. Also wie gestalten wir eigentlich

00:05:59: die Entscheidungsprozesse? Und würdest du sagen, da gibt es irgendwie best practices, die man

00:06:04: auch gut irgendwie implementieren kann, also die ich mir einfach greifen kann auch als Entscheiderin

00:06:08: im Unternehmen oder ist das mehr Einzelfalllogik? auf welcher Höhe sozusagen bist du da unterwegs?

00:06:15: Also eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage kann es aus unserer Sicht überhaupt nicht

00:06:18: geben. Das ist vielleicht ein bisschen unbefriedigend, aber das ist nun mal so, denn wie am Ende ein

00:06:24: bestimmter Prozess aussieht, hängt ja total stark vom Kontext ab. Und da kann es einfach

00:06:28: keine allgemeingültigen Lösungen. geben. Wichtig, und das sind im Grunde die übergreifenden Themen,

00:06:35: die für im Grunde eigentlich alle Kontexte gelten, sind erstmal die beiden Leitplanken zu sagen,

00:06:41: wir können nicht das nehmen, was Menschen gut können und das einfach zusammenschalten mit

00:06:45: dem, was Maschinen gut können und haben dann ein gutes Ergebnis. Das funktioniert nicht.

00:06:49: Und ebenso können wir auch nicht darauf vertrauen, dass wenn wir nun den Menschen irgendwie in

00:06:53: einen automatisierten Prozess oder in bestimmte Prozesse auch mit KI reinwerfen, Dass wir

00:06:59: dann allein schon darauf vertrauen können, dass das schon irgendwie gut laufen wird, weil das

00:07:02: ist nicht so. Inwieweit betrachtest du denn auch das Thema Change oder vielleicht auch

00:07:09: Widerstandsmanagement etc. Also wir Menschen werden ja schon gerade sehr krass konfrontiert

00:07:15: auch mit den Themen und da schwingen natürlich auch gewisse Ängste mit. Ängste um Arbeitsplätze,

00:07:20: Ängste vielleicht auch um wie viel kann ich eigentlich wirklich so einer Maschine vertrauen?

00:07:25: Wer ist eigentlich verantwortlich am Ende? Wie guckst du da drauf, also wirklich auf diese

00:07:30: tiefen inneren menschlichen Bedürfnisse, die da auch geweckt werden? Das ist natürlich total

00:07:35: zentral, aber im Grunde rein rechtlich ist es ja immer noch so, dass der Mensch formal die

00:07:39: Verantwortung trägt. Und da sind wir auch genau beim Problem. Denn wenn ich irgendwie einen

00:07:44: automatisierten Prozess stricke, gestalte, ablaufen lasse und am Ende ist ein Mensch da, der eine

00:07:50: Entscheidung oder eine Systemempfehlung als Entscheidung abnicken muss, dann kommen wir

00:07:54: an genau diese Probleme. versteht derjenige oder diejenige überhaupt, was da vorher abgelaufen

00:07:59: ist und ist die Person überhaupt in der Lage, die die Empfehlung einzuordnen. Vielleicht

00:08:05: ist ja auch völliger Quatsch drin. Und da kommen wir an die ganz wesentlichen Fragen auch von

00:08:09: Automation Bias, also der menschlichen Neigung, maschinellen Empfehlungen übermäßig zu vertrauen,

00:08:15: auch wenn das vielleicht gar nicht angebracht wäre. Aber eben das Rüstzeug fehlt, um das

00:08:19: überhaupt richtig einordnen zu können. Und dann natürlich ganz grundlegende Fragen von

00:08:23: wie verändern sich eigentlich auch Rollenbilder und Provinciotsverständnisse von bestimmten

00:08:27: Berufsgruppen, die von heute auf morgen eben mit Veränderungen konfrontiert sind, die ganz

00:08:32: wesentlich auch an den Grundprinzipien ihrer Berufsfelder rütteln. Und das sehen wir in

00:08:37: unseren Fallstudien auch ganz deutlich. Das heißt, ist ja auch dann doch nochmal auch ein

00:08:42: riesen Kompetenzaufbau, der da notwendig ist an der Stelle. Und ich finde, was ich auch

00:08:48: so spannend finde, ist wirklich zu überlegen, Wie viel Wissen wollen wir eigentlich auch

00:08:54: am Ende rein Maschinen geben sozusagen und gar nicht mehr selber inne haben? Also den

00:08:59: Punkt, den du auch meintest, da bin ich eigentlich in der Lage, einen gewissen Outcome, der durch

00:09:04: eine Maschine erzeugt wurde, überhaupt entsprechend auch bewerten zu können, weil ich glaube...

00:09:11: Also das ist schon ein bisschen die Bewegung, die ich auch sehe, dass wir da mehr und mehr

00:09:14: einfach unsere Kompetenzen da reingeben, unser Wissen da rein spülen und dann sagen, naja,

00:09:19: jetzt weiß das ja die Maschine und die gibt mir ja die beste Antwort. Das ist ja auch wieder

00:09:23: spannend aus einer gesellschaftlichen Sicht sozusagen, wie sehr wollen wir eigentlich noch

00:09:27: Herr der eigenen Entscheidungen sein? Absolut, da gebe ich dir total recht und auf eine Art

00:09:32: ist das auch echt ein bisschen unfair. Uns das überlegen, stellen wir uns ein Szenario

00:09:36: vor. Ein Mitarbeiterin eines Unternehmens ist mit einem Empfehlungssystem konfrontiert in

00:09:43: ihrem Arbeitsalltag und bekommt jetzt eine Empfehlung, besetzt als nächstes den Schritt XY in Gang.

00:09:50: Und jetzt gibt zwei Möglichkeiten. Die Mitarbeiterin ist also vor die Aufgabe gestellt, dass sie

00:09:55: diese Empfehlung erstmal verstehen muss, einordnen muss und sich dann entscheiden muss. Entweder

00:09:59: ich folge dem oder ich überschreibe das. Also ich mache das genaue Gegenteil. Und das erzeugt

00:10:05: das, was wir in der Forschung eine doppelte Unsicherheit nennen. Also im Grunde genau diese

00:10:09: Frage entweder ich folge oder ich überschreibe beides und das ist der Kernpunkt hat aber oder

00:10:14: kann für mich als MitarbeiterInnen, die das dann am Ende auch entscheiden muss, Auswirkungen

00:10:18: haben. Nämlich ich kann mir, wenn es am Ende schief geht und das ist ja der Fall, um den

00:10:22: es am Ende geht, weil solange alles gut läuft, es faktisch kein Problem. Aber wenn schief

00:10:27: geht, dann ist es ein Problem, weil dann muss ich argumentieren, warum ich blind links So

00:10:32: stellt sich es dann im Nachhinein da oder zumindest im Vorwurf der Maschine gefolgt bin oder eben,

00:10:37: warum ich davon abgewichen bin, obwohl die Empfehlung vielleicht richtig war. Und das erzeugt im

00:10:42: Grunde eine Schieflage, weil das erst mal voraussetzt oder da implizit eigentlich die Voraussetzung

00:10:47: drinsteckt, dass die Personen, die das am Ende entscheiden, auch tatsächlich über das notwendige

00:10:52: Wissen verfügen, diese Entscheidung überhaupt treffen zu können. Also sich hier wirklich

00:10:55: begründet verhalten zu können. Und da sind wir noch lange nicht. Nee, das ist echt super spannend.

00:11:01: ja gerade festgestellt wird, da gab es auch immer wieder Auswertungen über Jobportale etc.

00:11:07: Und auch, wir merken das auch bei Kunden und auch bei anderen Beratungshäusern, dass weniger

00:11:13: Juniornstellen ausgeschrieben sind und gestafft werden. Und ich finde die Frage liegt ja nahe,

00:11:19: ja okay, aber wo kommen dann die zukünftigen Senioren und Senioren denn eigentlich her im

00:11:24: Kompetenzbereich, wenn wir nicht mehr gewillt sind, junge Leute auszubilden? Wie guckst du?

00:11:31: gar drauf, nimmst du das auch wahr und was hat das eigentlich auch wieder für Auswirkungen

00:11:36: am Ende auf uns? Natürlich, das sehen wir in ganz ganz ganz vielen Bereichen, dass es immer

00:11:40: darum geht, okay, ich kann die Einstiegsjobs automatisieren, das sind Routinearbeiten, die

00:11:45: lassen sich gut weg automatisieren, wenn man das so nennen möchte. Allerdings ist das ein

00:11:49: bisschen kurzfristig gedacht, denn einerseits kann man natürlich argumentieren, dass sowas

00:11:53: kurzfristig effizientere Prozesse schafft, aber ich bin nicht mehr auf Mitarbeiter angewiesen,

00:11:58: muss die vielleicht nicht mehr einlernen. Aber langfristig oder auf lange Sicht gesehen

00:12:02: ist das aus unserer Sicht ein totales Eigentor. Denn im Grunde kann man ja auch die Parallele

00:12:07: ziehen, wie soll man denn jemals Meister werden, wenn man vorher nie Azubi war? Und da geht

00:12:11: es ja genau um diese Phase auch, um das Lernen, um das Begleitetwerden beim Lernen von älteren

00:12:17: Lernen, aber eben auch Fehler machen dürfen und aus diesen Fehlern lernen. Und wenn all

00:12:22: das wegfällt, dann stellt sich natürlich die Frage, wie ich am Ende, wenn es darauf ankomme,

00:12:27: wenn ich nämlich die Erfahrung haben muss oder die Kompetenzen auch aufgebaut haben muss,

00:12:32: dann verfüge ich darüber nicht. Und deswegen ist es aus unserer Sicht, auf lange Sicht,

00:12:35: ein Eigentor. Absolut. Wie guckst du denn, hast jetzt erzählt, du bist ja auch wirklich technisch

00:12:41: sehr interessiert. Was wir hier auch viel diskutieren, ist natürlich auch Coding sozusagen. Das macht

00:12:49: ihr eigentlich jetzt, also ich die noch nie in ihrem Leben eine Zeile Code geschrieben

00:12:53: habe. kann ja unterschiedliche Maschinenmodelle sagen, bauen wir eine Website, machen wir das

00:12:58: und dann ist da ein gewisser Code hinter. Das ist ja auch eine große Gefahr, dass wir am

00:13:02: Ende irgendwelche Produkte vielleicht sogar monetarisieren und wir kennen nicht mal den

00:13:06: Code. Wie ordnest du das? Du bist schon ein bisschen drauf eingegangen, aber ich finde,

00:13:10: es gibt so unterschiedliche Bandbreiten, wie weit das halt führen kann. Und ich merke hier

00:13:16: bei uns auf jeden Fall in der Beratung, unsere Developer sind da schon sehr kritisch, so sehr

00:13:20: sie auch KI schätzen, die sie es auch unterstützt natürlich in einen Code zu schreiben, aber

00:13:25: so dieses Wissen einfach so wegzugeben oder schimpfst und falls jemanden wie mich da einfach

00:13:29: loszulassen und ich mache dann da wild irgendwelche Sachen und weiß ja aber eigentlich nicht, was

00:13:33: ich wirklich getan habe am Ende. Ganz genau und das ist das Problem. Also wir kommen hier

00:13:38: an eine Frage von Literacy. Also wie viel weiß ich eigentlich über das, was ich da tue und

00:13:42: vor allem, was ich damit anstoße? In uns geht es hier vor allem auch um darauf, dass wir

00:13:46: darauf hinweisen, können Ketteffekte, Pfadabhängigkeiten und Wechselwirkungen entstehen, die wir irgendwann

00:13:53: zum späteren Zeitpunkt gar nicht mehr richtig einschätzen, geschweige denn kontrollieren

00:13:57: können. Und Programmieren mit Hilfe von Sprachmodellen und KI-Assistenten ist ein gutes Beispiel dafür.

00:14:04: Und es ist ja tatsächlich auch ziemlich faszinierend. Ich habe das auch ausprobiert und es geht sehr

00:14:08: schnell und sehr einfach, dass man brauchbare Ergebnisse bekommt. Der Teufel steckt dann

00:14:13: in Detail. Okay, hast du denn irgendwie Branchen oder Beispiele, wo du sagst, das ist mal spannend,

00:14:22: sich da etwas abzuschauen oder hast du auch Fallbeispiele, die interessant sind für uns,

00:14:28: für HörerInnen, sich da mal irgendwie inspirieren zu lassen? Ja, aktuell in unserem Human in

00:14:34: the Loop Projekt forschen wir in verschiedenen Fallstudien, indem wir uns Automatisierungsszenarien

00:14:38: anschauen. Da spielt auch ganz, ganz, ganz viel KI eine Rolle, aber in manchen Bereichen eben

00:14:43: auch nicht. Und ein Bereich, an dem wir gerade viel forschen, ist der Bereich der Luftfahrt.

00:14:48: Und das ist wirklich eine faszinierende Fallstudie, weil gerade in der Luftfahrt seit vielen Jahrzehnten

00:14:54: das wirklich wahnsinnig gut funktioniert. Da gibt es ganz, ganz viel Technik und hoch ausgebildete

00:15:00: Menschen, die mit dieser Technik auch umgehen können und dafür sorgen, dass wir in der Regel

00:15:05: und der absoluten Mehrzahl alle wieder heile am Boden ankommen. Das funktioniert sehr, gut.

00:15:11: Und einer der Punkte, was da so gut funktioniert, ist, dass sie es eben geschafft haben, aus

00:15:16: Fehlern gut zu lernen. Und da können wir uns, glaube ich, wirklich eine Menge von abschauen.

00:15:22: Zum Beispiel, was die eben machen, sehr detaillierte Unfallanalysen. Und das ist ein Level an Detail,

00:15:28: was sie da erreichen, was über das, was in anderen Branchen passiert, wenn Krisensituationen eintreten,

00:15:34: wirklich bei weitem hinausgeht. Da gibt es ja dann... umfassende Flugunfalluntersuchungen,

00:15:39: verschiedenste Behördeninstitutionen, da zusammenkommen, Expertise aus der Wissenschaft, die dann alle

00:15:45: ihre Erkläransätze zusammenbringen und vor allem, und das ist der entscheidende Punkt, dieses

00:15:50: Wissen, was da in diesen Analysen erarbeitet wird, auch wieder zurückgeben in die Breite.

00:15:54: Und das ist was, das funktioniert hier wirklich richtig, richtig gut. Das heißt, hier gibt

00:15:59: es also eine klare Fehlerkommunikation auch nach außen. Das heißt, wenn in der Luftfahrt

00:16:03: zum Beispiel Krisensituation eintreten und irgendwie gelöst werden, dann werden die auch

00:16:07: kommuniziert. Das heißt, es gibt da sogenannte Safety Bulletins, die werden dann auch relativ

00:16:12: kurzfristig rumgeschickt. Da steht dann drin, XY hatte folgendes Problem. Die Pilotinnen

00:16:19: haben so und so reagiert. Das war in dem Moment vielleicht aus Trainingsperspektive richtig,

00:16:24: aber im Nachhinein trotzdem problematisch, weil der Sensor vereist war und deswegen falsche

00:16:28: Daten gegeben hat und deswegen war es kontraproduktiv. Deswegen Bitte darauf achten, das oder doppelt

00:16:34: validieren, ob nicht vielleicht ein anderer Zustand des Flugzeugs vorhanden ist, als das,

00:16:38: was die Sensoren anzeigen zum Beispiel. Und solche Fehler aus dem Einzelnen werden dann

00:16:43: aufbereitet und für die gesamte Welt im Grunde aufbereitet und frei zur Verfügung gestellt.

00:16:48: Ja, voll spannend. ich meine, in dem Fall geht es ja wirklich um Menschenleben, deswegen ist

00:16:53: es wahrscheinlich auch so logisch, das zu tun. Wir stützen ein den Punkt, den wir glaube ich

00:16:57: auch oft haben oder der oft auch in dem Podcast vorkommt. sich innerhalb einer Branche oder

00:17:03: Industrie in diesen Verbänden sozusagen einfach noch offener auszutauschen und eben genau auch

00:17:08: diese Transparenz zu schaffen. Ich glaube, man lernt am meisten ehrlicherweise über, wir nennen

00:17:14: es auch gerne so Fuck-ups sozusagen, die dann geteilt werden. In der IT geht es ja dann auch

00:17:19: oft um Security-Sicherheitsvorfälle. Einfach wenn wir drüber sprechen und sagen, wie wir

00:17:24: gehackt wurden, passiert es vielleicht anderen nicht so mehr oder weniger. Ich glaube, da

00:17:28: werden wir noch ganz viel rund um diese Themen auch hören, ehrlicherweise. Und es muss immer

00:17:35: nur, glaube ich, innerhalb einer Branche oder einer Industrie oder eines Verbandes einmal

00:17:38: mutig vorgehen und mal teilen. Und dann kommen, glaube ich, die anderen Storys auch alle. Weil

00:17:42: natürlich passieren Fehler überall aktuell, auch bei uns. Und man muss nur drüber reden.

00:17:48: Ganz genau. Aber das hat auch viel mit Fehlerkultur zu tun. Und ich glaube, da können viele Branchen

00:17:52: auch noch nachziehen, um auch hier nochmal ein Beispiel aus der Luftfahrt zu bemühen. Es

00:17:57: gab einen sehr schweren Flugunfall damals auf Teneriffa mit sehr, vielen Toten und der hatte

00:18:04: genau das Problem. Also es gab zwei Piloten im Cockpit und der deutlich jüngere und unerfahrene

00:18:10: Co-Pilot hat sich nicht getraut, wesentlich erfahrenen Kapitän auf seine Fehlentschätzung

00:18:15: hinzuweisen. Nämlich, dass am Ende der Startbahn noch ein anderes Flugzeug steht. Das hat er

00:18:20: erwartet und hat sich aber nicht getraut, das zu sagen und darauf hat die Luftfahrt reagiert.

00:18:24: mit einer ziemlich spannenden und wie ich finde auch sehr übertragbaren Incentivierung von

00:18:32: Fehlerkommunikation. Denn im Grunde sagen sie, wenn ich einen Fehler mache in der Luft, das

00:18:37: gilt für bestimmte Fehlerklassen, nicht pauschal, aber wenn ich einen bestimmten Fehler mache

00:18:41: und mir fällt das auf, dann melde ich das und dann wird das kommuniziert und ich habe keine

00:18:45: Konsequenzen zu befürchten. Wenn ich das nicht tue und es fällt auf, dann kriege ich ein Problem.

00:18:51: Und das schafft natürlich total starke Anreize zu sagen, hey, es ist kein Problem. Ich habe

00:18:55: einen Fehler gemacht, kann anderen genauso passieren, aber damit es anderen nicht passiert, melde

00:19:00: ich das und alle anderen können davon lernen. Und diese Fuck-up-Nights zum Beispiel aus der

00:19:04: IT-Branche oder auch aus anderen Start-up-Bereichen, da gibt es das ja auch inzwischen. Das ist

00:19:10: eine ähnliche Richtung, aber gerade so eine klare Incentivierung für eine offene Fehlerkultur

00:19:14: und auch eben einen anderen Umgang mit den Konsequenzen, das ist etwas, wo wir uns, glaube ich, nochmal

00:19:19: eine Menge abschauen können. Ja, absolut. Und aus dann wieder Entscheider in Unternehmensführungsperspektiven

00:19:24: ist, glaube ich, Das heißt, wenn du über Boni, Bonifizierung oder ebenso Inzidenzierung sprichst,

00:19:30: so wie du es baust, so wird es auch gelebt werden. Das heißt, je nachdem, ob du eher in Bestrafung

00:19:35: oder Belohnung denkst, so werden natürlich die Mitarbeitenden agieren, weil das der Rahmen

00:19:39: ist, der ihnen vorgegeben wird. Im Grunde, um es auf den Punkt zu bringen, aus Fehlern lernen

00:19:43: heißt auch, Fehler sichtbar machen dürfen. Und das ist im Grunde der Kern, an den es geht.

00:19:47: Wenn ich eine Unternehmenskultur, Struktur habe, in der das möglich ist. dann kann ich auch

00:19:53: die Vorteile davon heben und dann können alle davon lernen. Habe ich das nicht und eher ein

00:19:58: Klima von gehemmter Kommunikation oder auch Intransparenz, dann schadet das im Grunde dem

00:20:04: ganzen Unternehmen. Und deswegen kann man eigentlich nur sagen oder nur dafür plädieren, auch offen

00:20:08: mit Fehlern umzugehen und sie auch machen zu dürfen und sie dann eben auch kommunizieren

00:20:13: zu dürfen. Und das wiederum spielt natürlich auch wieder ein bisschen ein auf den Punkt,

00:20:16: wir vorher hatten. Also die Fehler. Die mache ich vor allem oder die wesentlich unproblematischen

00:20:21: Fehler mache ich vor allem am Anfang der Karriere. Kann daraus lernen, kann daraus Erfahrungen

00:20:25: ziehen, aus denen ich und viele andere eben auch noch mitlernen können. Ja, mega spannend.

00:20:30: Ich denke die ganze Zeit noch ein bisschen drauf rum. Das war bei der allerersten Frage,

00:20:36: dir gestellte, da bist du ja sehr auf. Es geht um den Prozess, der zu einer Entscheidung führt.

00:20:42: Und das merken wir eben auch in Digitalisierungsprojekten oder KI-Projekten. gibt es ja in den meisten

00:20:48: Fällen darum, einen Prozess effizienter zu gestalten, zu digitalisieren, was auch immer. Und da braucht

00:20:55: man vor allem ein Prozessverständnis und man braucht in den meisten Fällen, ja ein Prozess,

00:21:00: also meistens nicht nur Schritt eins, zwei und dann haben wir ein Ergebnis und das betrifft

00:21:04: nur eine Person oder eine Abteilung, gibt es auch, aber spannend sind ja die komplexeren

00:21:08: Prozesse, die mehrere Abteilungen betreffen, mehrere Rollen. Und ich merke schon, dass es

00:21:13: ganz oft den entsprechenden beteiligt. entlang eines Prozesses echt schwerfällt, sich darauf

00:21:19: einzulassen, auch wirklich nochmal diesen Prozess anzuschauen und vielleicht auch den nochmal

00:21:25: kritisch zu hinterfragen. Also in der Beratungsbranche sagen wir immer so Shit in, Shit out. Ein scheiß

00:21:30: analoger Prozess ist auch ein beschissener digitaler Prozess. Und ich merke aber, dass da ganz

00:21:35: doll dieses Prozessverständnis und auch hier sich das anzugucken und vielleicht auch zu

00:21:39: sagen, ich glaube, das ist nicht der beste Weg, wie wir es machen. Ich glaube, das geht besser.

00:21:43: fällt wirklich schwer, ist aber die absolute Grundlage, wenn wir wirklich über Effizienzsteigerungen

00:21:49: und tatsächlich auch wirklich sinnvolle Mensch-Maschine-Interaktion sprechen wollen, weil wenn der Prozess nicht

00:21:56: geil ist, wird auch der Outcome nicht geil sein. Da denke ich gerade die ganze Zeit drüber nach,

00:22:00: wie man das nochmal besser auch, vielleicht kommunikativ besser machen kann mit den entsprechenden

00:22:06: Beteiligten. dass es ja gar nicht darum geht, jetzt zu sagen, du hast ja einen ganz blöden

00:22:10: Prozess aufgestellt und wie du es die letzten 20 Jahre gemacht hast, ist blöd. Darum geht

00:22:14: es ja nicht. Es geht ja um den Weg nach vorne. Jetzt habe ich ganz viel geredet, sorry, aber

00:22:18: das geht nicht aus meinem Kopf. Nein, das ist total spannend und das sind auch Themen, mit

00:22:21: denen ich mich auch schon seit langem beschäftige, auch in anderen Projekten davor. Aber bevor

00:22:26: wir da vielleicht ein bisschen noch mehr ins Detail gehen, eine Überlegung noch dazu. Denn

00:22:32: im Grunde auch ist... geht überhaupt nicht um die Bewertung zu sagen, dass es ein schlechter

00:22:36: Prozess sind, da gebaut hast, sondern eigentlich geht es aus meiner Sicht erst mal darum, dass

00:22:39: man ein geteiltes Transformationsverständnis bekommt. Also worum geht es hier eigentlich?

00:22:44: Weil digitale Transformation heißt aus meiner Sicht eben nicht unbedingt, dass wir den Prozess

00:22:49: aus dem Analogen nehmen und ihn ins Digitale übersetzen. Das ist eine Möglichkeit, das wird

00:22:53: oft gemacht, aber wir sehen auch in der Forschung, da geht eine ganze, ganze Menge verloren von

00:22:57: dem, was eigentlich möglich wäre. Deswegen plädieren wir eigentlich dafür, digitale Transformation

00:23:03: als Chance zu begreifen, die Dinge auch komplett anders zu denken und eben zu sagen, haben einen

00:23:07: Prozess, den haben wir bisher immer gemacht, das hat auch gut funktioniert, weil wir 20

00:23:11: Leute dafür hatten, die Akten zu bewegen und zu prüfen. Die haben wir jetzt nicht mehr oder

00:23:17: wollen sie vielleicht nicht mehr haben. Wir glauben, dass wir das Gleiche in weniger Zeit

00:23:20: besser hinbekommen. Dafür müssen wir aber noch mal ganz grundsätzlich an den Prozess ran.

00:23:25: Und damit meine ich nicht, dass wir grundsätzlich an alles die Axt legen sollten, sondern eben

00:23:29: mit Bedacht uns die Prozesse anschauen. Aber vor allem immer mit Blick auf das Ziel. Also

00:23:33: was ist eigentlich das Ziel, was ich erreichen möchte und was habe ich dafür zur Verfügung

00:23:37: oder was benötige ich dafür? Weil dann kann ich mir genau Gedanken machen, wie ich das

00:23:42: Ganze stricke. Aber da sind wir aktuell in der Praxis in ganz, ganz, ganz vielen Bereichen

00:23:46: gar nicht. Und das haben wir in anderen Projekten auch gesehen. Finde ich super spannend. da,

00:23:51: da komme ich vielleicht nochmal auf dich zurück. Du, ich habe noch eine Allgemeinere Frage,

00:23:57: ich muss zugeben, ich hatte noch nie was vom Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft

00:24:02: gehört. Das klingt dir aber A, total spannend und B, ja, also relevant wie irgendwie nochmal

00:24:09: was. Kannst du vielleicht ein bisschen was über euch nochmal erzählen, was so allgemein Forschungsbereiche

00:24:14: sind, was dich vielleicht auch dahin gezogen hat? Also ich finde das irgendwie total interessant.

00:24:19: Ja, gerne. Also das Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin gibt es seit 2011

00:24:23: und wir waren im Grunde das erste Forschungsinstitut in Deutschland, das sich mit den Wechselwirkungen

00:24:32: von Digitalisierung und Gesellschaft mit Blick auf Internet beschäftigt hat. sind ein außeruniversitärisches

00:24:40: Forschungsinstitut. Das heißt, wir sind frei. Wir sind frei in der Themenwahl, können Schwerpunkte

00:24:45: setzen und diese freie Struktur ermöglicht uns auch genau das zu tun. Im Grunde geht es

00:24:52: um die Schwerpunktbereiche Innovation und Governance. Das sind die beiden Schwerpunktthemen, um die

00:24:57: eigentlich alle Projekte und alle Themen Schwerpunkte, Schwerpunktbereiche, die wir haben, auch kreisen

00:25:02: mit jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln. Also wir haben aktuell vier Forschungsschwerpunkte

00:25:07: und die beschäftigen sich zum Beispiel mit demokratischem Wandel und Wissen, Unternehmertum und Gesellschaft,

00:25:14: Innovation, KI und Transformation und neuen Technologien und Zukunft des Rechts. Da bin

00:25:20: ich auch angesiedelt mit dem Human in the Loop Projekt, gemeinsam mit meinen Kolleginnen,

00:25:23: mit denen wir das gemeinsam machen. Wir sind ein großes Team. Und vor allem ein Punkt, der

00:25:28: ganz, ganz wichtig ist für das Human in the Loop Projekt, für den Forschungsschwerpunkt,

00:25:33: aber auch für das Institut insgesamt, ist, dass wir interdisziplinär aufgestellt sind. Und

00:25:36: das macht total Spaß. Und das ist auch der Grund, der mich hierhergezogen hat, diese Punkte Innovation

00:25:42: und Governance. Also im Grunde, wie organisieren wir eigentlich Dinge, Gemeinschaften? Projekte,

00:25:48: you name it, unter den Bedingungen digitaler Vernetzung braucht genau diesen interdisziplinären

00:25:52: Blick. Und da andere Forschungsinstitutionen aus meiner Perspektive einfach ein bisschen

00:25:59: enger und wir schauen hier ein bisschen breiter und wie ich finde auch frischer auf die Dinge

00:26:03: und das macht einfach wahnsinnig viel Spaß. Mega cool. Das heißt, you're in the loop, um

00:26:08: da nochmal zu bleiben. Sprecht ihr dann auch wirklich viel direkt mit Unternehmen und UnternehmerInnen?

00:26:13: Also es wirkt auch sehr praxisorientiert sozusagen, wie ihr vorgeht? Unbedingt. Wir machen hier

00:26:19: angewandte Grundlagenforschung und das geht nur, wenn man mit den Leuten auch spricht,

00:26:22: es am Ende tagtäglich tun oder tagtäglich tun möchten oder besser machen möchten. Im Jungen

00:26:28: in the Loop Projekt, ich habe es ja vorhin schon angesprochen, wir machen das in vier Fallstudien,

00:26:32: indem wir uns verschiedene Automatisierungsszenarien anschauen. Das war zu Beginn des Projektes,

00:26:38: das läuft jetzt schon etwas mehr als zwei Jahre, war das Automatisierung und Kreditvergabe.

00:26:42: Da haben wir mit verschiedensten Stakeholdern gesprochen, die in dem Bereich unterwegs sind,

00:26:46: von Unternehmen, die Kredite vergeben, Aufsichtsbehörden und den ganzen Intermediären, die da so dazwischen

00:26:52: hängen. Die zweite Fallstudie war Konta-Moderation, also im Grunde die Moderation von Inhalten

00:26:58: in sozialen Netzwerken. Auch da haben wir mit unterschiedlichsten Stakeholdern gesprochen,

00:27:03: von Plattformen aller Größenordnungen bis hin zu zivilgesellschaftlichen Akteuren, PolitikerInnen,

00:27:10: hier wieder Regulierungen und Aufsichtsbehörden und arbeiten eben aktuell an dieser Studie

00:27:14: zur Automatisierung in der Luftfahrt und sprechen da auch mit ganz, ganz vielen unterschiedlichen

00:27:19: Menschen in unterschiedlichsten Funktionen. Und das war auch für mich total spannend, weil

00:27:23: sich da wirklich ganz, ganz, ganz viel geöffnet hat und mir war überhaupt nicht klar, welche

00:27:26: zentrale Rolle zum Beispiel der Deutsche Wetterdienst hat, wenn wir über Automatisierung in der

00:27:31: Luftfahrt nachdenken. Aber das ist wirklich abgefahren, weil sich gerade in der Luftfahrt

00:27:35: eben auch, wenn man jetzt auch über Deutschland hinausguckt, zeigt, wie Zusammenarbeit auch

00:27:39: auf globaler Ebene funktionieren kann. Aber das ist ja de facto so. Wir sind in der Lage,

00:27:44: genaueste Wetterinformationen auch über riesigen Wüsten in Ländern zu bekommen, wo meilenweit

00:27:51: keine einzige Wetterstation steht. Aber durch internationale Zusammenarbeit kann auch das

00:27:55: funktionieren und mit dem Ergebnis, dass es eben für alle gut funktioniert und alle heile

00:28:02: unten ankommen. Und das ist eine sehr beruhigende Nachricht, die, finde ich, auch Mut macht für

00:28:07: viele andere Bereiche. Absolut. Wir kommen langsam zum Abschluss und was uns immer so interessiert

00:28:14: ist, gibt es denn irgendwie ExpertInnen, MentorInnen bei dir, wo du sagst, die inspirieren mich

00:28:20: total, weil irgendwie ich lese da jeden Beitrag oder Veröffentlichungen oder ... Die Person

00:28:26: rufe ich an, wenn ich mal nicht weiter weiß, gibt es da jemanden, den du hier gerne noch

00:28:30: mal einen Shoutout gibst? Klar, ich lese viel, was den Diskurs um Digitalisierungsthemen

00:28:37: angeht. Da habe ich von den Leuten, die mich so richtig begeistern, die Telefonnummer bislang

00:28:41: leider noch nicht. Vielleicht ändert sich das auch noch mal in nächster Zeit. Dann würde

00:28:46: ich die vielleicht auch anrufen und vielleicht würden sie dann sogar auch abnehmen. Ansonsten

00:28:50: haben wir am Institut hier in Berlin natürlich eine ganze Reihe sehr interessanter Kolleginnen,

00:28:57: die in unterschiedlichsten Bereichen arbeiten, mit denen ich an der Kaffeemaschine und sonst

00:29:01: wo bei allen anderen Gelegenheiten immer ins Gespräch kommen kann. Das ist wirklich was,

00:29:05: was uns hier immer weiter bringt, weil da die allerbesten Themen entstehen, gerade auch in

00:29:09: den Gesprächen, wenn man sie gar nicht mit dem Ziel ansetzt, neue Projekte zu entwickeln,

00:29:13: dann kommt man auf Themen in der gemeinsamen Diskussion, wo es sich lohnt, mal genauer

00:29:17: darüber nachzudenken. Oder eben auch wenn ich über Themen stolper, die für unsere Projekte

00:29:22: wichtig sind, findet sich hier immer jemand, daran arbeitet. Zum Beispiel haben wir eine

00:29:29: Kollegin, die hier arbeitet zur Auditierung von nachhaltigen KI-Systemen. Das ist ein Thema,

00:29:35: was glaube ich wirklich von großer Relevanz ist. Und da bin ich wirklich gespannt auf die

00:29:39: Ergebnisse dieser Auditierungsmethode, die da bald kommen wird. Zum Thema Nachhaltigkeit

00:29:44: haben wir ansonsten auch den Forschungsschwerpunkt zu Innovationen, Unternehmertum und Gesellschaft,

00:29:49: die sich auch inzwischen abgeschossenen Projekten viel mit nachhaltigem Unternehmertum in verschiedenen

00:29:55: Gegenden der Welt auch auseinandergesetzt haben. Also da gibt es schon alleine hier am Institut

00:29:59: dadurch auch, dass wir so themenoffen und interdisziplinär aufgestellt sind. Viele Menschen, denen ich

00:30:04: ganz unmittelbar sprechen kann, wo ich sogar nicht mal zum Hörer greifen muss. Ja, da ist

00:30:07: ja wirklich jede Kaffeepause eine einzige Inspirationsquelle. Unbedingt. Letzte Frage, Morius, was sollen

00:30:15: denn die Hörerinnen jetzt mitgenommen haben aus der Folge? Wichtig sind mir vor allem drei

00:30:21: Dinge. Denn zunächst einmal muss man sich einfach von dem Gedanken verabschieden, dass es ein

00:30:26: Patentrezept für gute Mensch-Maschine-Zusammenarbeit gibt. Denn das ist was, einfach einen genaueren

00:30:32: Blick erfordert auf den Kontext, auf meine Zielsetzung, was möchte ich eigentlich erreichen und vor

00:30:37: allem auch auf die Wechselwirkungen, die damit entstehen können. weil wir eben nicht dieses

00:30:41: Summen-Spiel von 1 plus 1 gleich 2 haben, sondern da kann eben auch ein ganz anderes Ergebnis

00:30:46: rauskommen, wenn ich Mensch und Maschine zusammenbringe und darüber muss ich mir Gedanken machen. Also

00:30:50: diese Wechselwirkungen. Zweitens muss ich diese Zusammenarbeit vor allem auch mit bedacht gestalten.

00:30:55: Ich kann nicht einfach was zusammenstöpseln und hoffen, dass das schon irgendwie funktionieren

00:30:59: wird, weil diese neuen Herausforderungen entstehen und der Mensch hierbei aber eben, das sagte

00:31:04: ich auch eingangs, nicht bloß Hähnchen sein kann und auch nicht sein darf. sondern es hier

00:31:09: eben vor allem auch gerade bei diesem Begriff human and the loop, so wie wir ihn denken,

00:31:13: vor allem auch um ein Gestaltungsprinzip geht. Also wir haben, werden Mensch und Maschine

00:31:18: zusammenarbeiten, haben wir ein sozio-technisches System, was über den einzelnen Player, also

00:31:22: über den einzelnen Menschen im System und über das einzelne System, was wir dann verschalten,

00:31:26: hinausgeht. Und deswegen sagen wir, wir müssen uns also den gesamten Lebenszyklus der Systeme

00:31:31: anschauen und vor allem mitbedacht gestalten, sodass wir die negativen Folgen möglichst abfedern

00:31:38: können. Und zum dritten, der dritte Punkt, mir wichtig ist, ist, um das nochmal zu wiederholen,

00:31:43: Fehler lernen heißt eben auch Fehler sichtbar machen dürfen. Das ist ganz, ganz, ganz wichtig,

00:31:47: weil nur so kommen wir voran. Und wenn wir andere an den Fehlern, die wir selber machen, auch

00:31:50: noch teilhaben lassen, dann gewinnen alle. Maurice, vielen lieben Dank für deine Zeit. Ich finde

00:31:54: das so spannend. Also das ist wirklich toll, woran du hier forschen darfst. Und ja, wenn

00:32:00: wir da irgendwas auch verlinken können, was vielleicht schon an Veröffentlichungen ist

00:32:03: oder so, schick uns das gerne. Also ich werde es auf jeden Fall auch lesen. Und bedank mich

00:32:08: nochmal für deine Zeit und wünsche dir einen baldigen wunderschönen Urlaub. Vielen Dank,

00:32:12: das wünsche ich dir auch. Total spannend. Danke schön. Danke.

00:32:21: Ja, ich hatte das Vergnügen, gerade mit Dr. Maurice Stenzel zu sprechen und muss sagen,

00:32:26: dass ich wirklich immer noch total geflasht bin. Erstmal finde ich es super, dass ich dieses

00:32:31: Institut jetzt auch auf dem Radar habe, sozusagen. Werde mich da noch mal näher rein drinnen,

00:32:37: was da schon so veröffentlicht wurde. Es sind ja eigentlich genau die Themen, an denen wir

00:32:41: ja auch als Beratungshaus und auch einfach ich persönlich ein großes Interesse habe. Dieses

00:32:46: Verhältnis zwischen Gesellschaft und irgendwie Technologie. nochmal genauer einzudrillen

00:32:52: und ich fand es einfach total spannend mit ihm über seine ersten Erkenntnisse zu sprechen.

00:32:56: Gerade die letzten drei Punkte, die er gemacht hatte, fassen, glaube ich, wirklich wunderbar

00:33:00: die Folge zusammen. habe ich gar nicht so viel zu ergänzen, außer dass ich wirklich merke,

00:33:05: wie wichtig Forschung ist, wie wichtig auch diese disziplinäre Forschung, glaube ich,

00:33:12: auf diesem Deck ist, dass er auch schön beschrieben hat, damit wir eben auch voneinander lernen

00:33:18: und eben auch gewisse Empfehlungen auch an die Hand bekommen als Entscheiderin in Unternehmen,

00:33:24: wie ich mich denn wirklich mit der Mensch-Maschinen-Interaktion nähern kann und also mit mir resoniert wirklich.

00:33:31: Nochmal was er beschrieben hat um Prozesse, die nehme ich da eigentlich wirklich alle sauber

00:33:37: mit und das Thema der Fehlerkultur, das schwingt bei mir auf jeden Fall nach. Und ja, ich

00:33:42: freue mich sehr, wenn wir ihn nochmal begrüßen dürfen. Ich kann mir das sehr gut vorstellen.

00:33:47: Vielleicht werden nochmal weitere Erkenntnisse kommen, dass wir da so eine kleine Serie machen

00:33:52: mit ihm und potenziell Kollegen, weil doch einfach die Relevanz und die Disruption, mit die wir

00:34:00: gerade vor uns haben, doch einfach mächtig sein wird. Und ich gehe wirklich. Sehr inspiriert

00:34:06: und beseelt gleich in meine Mittagspause und freue mich, wieder eine so tolle Folge und

00:34:12: so coole Experten kennenlernen zu dürfen.